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Damit liegt die noch sehr junge Firma voll im Trend der letzten Frankfurter Buchmesse. Der Erfolg der E-Books scheint gerade in diesem Jahr unaufhaltsam. Doch den meisten Verlagen fehlt das Wissen dafür. Diese Marktlücke will die Agentur schließen.
Auf dem Schreibtisch liegen die Hoffnungsträger einer ganzen Branche. Sie haben graue oder schwarze Gehäuse, einen großen dunklen Bildschirm und sind hergestellt aus Plastik und Metall. Wie zu groß geratene Smartphones sehen sie aus. Telefonieren kann man mit ihnen nicht, dafür aber Bücher lesen. Die Geräte, E-Reader und Tabletcomputer genannt, sollen den Buchmarkt verändern und das Bücherlesen ohne Papier etablieren. Hinter dem Schreibtisch sitzt Jens Klingelhöfer, ein großer Mann Mitte dreißig. Er nimmt eines der Geräte in die Hand und streicht mit dem Finger über den Touchscreen. Der Bildschirm leuchtet auf, ein Text erscheint. Es ist das Buch "Our Choice" von Al Gore, gedruckt 416 Seiten dick, hier als gänzlich digitalisiertes E-Book aber auf die handliche Schreibheftgröße des Lesegeräts geschrumpft.
"Nach kurzer Zeit vergessen Sie ganz, dass Sie kein richtiges Buch in der Hand haben und sind nur noch vom Inhalt gefesselt", sagt Klingelhöfer. Er ist Geschäftsführer von Bookwire, einer Frankfurter Agentur, die sich auf den Vertrieb von E-Books spezialisiert hat. Sein Unternehmen mit sechs Mitarbeitern kümmert sich im Auftrag von Verlagen um alles, was mit dem Vertrieb der digitalisierten Bücher zu tun hat, von der Konvertierung des Manuskripts in das richtige digitale Format bis zum Einstellen der Datei in die jeweiligen Onlineshops. Zu den Kunden der Agentur gehören Drei-Mann-Verlage und größere Mittelständer, unter ihnen Reclam. Bookwire vertritt 140 Verlage mit rund 5000 Titeln, meist Publikumsverlage. Die Kunden wollen alle das Gleiche: E-Books verkaufen. Doch den meisten Verlagen fehlt das Wissen dafür. Diese Marktlücke will die Agentur schließen.
Bookwire hilft auch bei der Vermarktung der E-Books in den Online-Buchhandlungen. "Unsere logistische Leistung ist ersetzbar, aber die guten Kontakte zu den Shops binden die Verlage an uns", sagt Klingelhöfer. Mittlerweile gibt es bis zu zwanzig relevante Internetportale, in denen E-Books verkauft werden. In Zukunft werden es vermutlich noch mehr. Auf dem "chaotischen jungen Markt" behalte Bookwire für die Verlage den Überblick, sagt Klingelhöfer. Glaubt man Prognosen der Branche, hat das E-Book dieses Jahr seinen Durchbruch. Die neuen Lesegeräte verbreiten Optimismus. Doch ohne digitale Inhalte sind all diese Geräte nutzlos. Der Druck ist hoch, E-Books zu liefern.
Klingelhöfer hat vor der Gründung von Bookwire zehn Jahre lang in der Musikbranche gearbeitet. Er hat miterlebt, wie eine ganze Industrie am digitalen Vertrieb und der weitverbreiteten Produktpiraterie fast gescheitert wäre. Für die Buchbranche sieht er diese Gefahr nicht: "Die Verlage haben aus den Fehlern der Musikindustrie gelernt und sind viel besser vorbereitet." E-Books seien deshalb nicht der Untergang für das gedruckte Buch. "Wir bieten den Verlagen einen zusätzlichen Vertriebsweg." Zudem werde der internationale Vertrieb einfacher. Verlage müssten sich keine Lizenznehmer in anderen Ländern suchen, sondern könnten ihre Titel selbst vertreiben. Auch das Wissen von Bookwire sei im Ausland gefragt, sagt Klingelhöfer. Es gebe Anfragen aus Dänemark, Spanien oder Portugal.
Auf der Buchmesse hat Bookwire einen eigenen Stand. Klingelhöfer will die Messe dazu nutzen, Kunden zu treffen und neue Verlage von den Dienstleistungen seiner Agentur zu überzeugen. Der junge Unternehmer blickt optimistisch in die Zukunft. Die 2009 gegründete Firma könnte schon im nächsten Jahr profitabel sein. Und auch wenn er am digitalen Fortschritt der Branche mitarbeitet, bleibt er ein Anhänger des gedruckten Buchs: "Das ist doch Hightech pur: ohne Batterien, und selbst auf einer einsamen Insel kann ich es noch lesen."
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv". Erstveröffentlichung am 15. Oktober 2011 (Seite 51), Autor: JANEK RAUHE