Freie Theaterszene

Freies Theater ist Professionelles Theater jenseits der Staats- und Stadttheater jenseits der Privattheater. Diesen Theaterproduktionen steht ein Netzwerk an Förder- und Produktionsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben bundesweiten, regionalen und kommunalen Fördertöpfen stehen der freien Theaterszene diverse Spielorte unterschiedlichster Art zur Verfügung. Dabei gibt es freie Theatergruppen, die eine eigene Spielstätte unterhalten und solche, die durch die verschiedenen Spielorte vagabundieren. Einige Freie Theatergruppen arbeiten auch hauptsächlich an ungewöhnlichen, theateruntypischen Orten oder im öffentlichen Raum.

Geschichte

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Zu Beginn seiner Geschichte war das freie Theater mit klaren politisch-ästhetischen Vorstellungen verbunden. In den 70er und 80er Jahren war es als engagierte Kunst eng mit sozialen und politischen Bewegungen verbunden. Fern von der „Unbeweglichkeit“ der großen institutionellen Theatern war es das Ziel, demokratische Modelle der Theaterproduktion zu entwickeln , gesellschaftliche Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen und der etablierten Hochkultur und seinem bürgerlichen Publikum eine „Kultur von unten“ entgegenzustellen, die auch eine „Kultur für alle“ (Hilmar Hoffmann) sein sollte. Dies war auch die Zeit der Mitbestimmungsmodelle an verschiedenen Staats- und Stadtheatern, aus denen heraus sich dann erste freie Ensemble bildeten. Heutzutage, spätestens seit ende der 90er Jahre, kann man nicht mehr davon sprechen, dass die freie Szene noch per se eine Alternativkultur darstellt. Vielmehr ist sie eine flexible und oft auch ortsungebundenere Art professionelles Theater zu produzieren. In den letzten Jahren ist jedoch eine stärkere Repolitisierung zu beobachten.

Förderung

Allerdings sind die Bedingungen für freies Theater deutlich unterschiedlich. Auch wenn heute noch die meisten kreativen Schübe aus der freien Szene kommen, ist die Finanzierung der meisten Gruppen und Spielorte noch stark verbesserungswürdig. Die Gruppen agieren zumeist selbst als Produzenten der eigenen Stücke und müssen sich durch den Dschungel verschiedener Fördertöpfe, Stiftungen, Sponsoren und potenziell koproduktionsbereiter Spielorte kämpfen. Kreativität wird oft durch einen existenziellen Überlebenskampf verhindert.

Die Theaterförderung des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ist ausschließlich projektbezogen. Dabei steht dem Ministerium eine vierköpfige, beratende Fachjury zur Seite. Entschieden wird anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs über einen Fördertopf, der mit derzeit 540.000 € bestückt ist. Aus diesem Etat werden auch verschiedene Verbände und Festivals gefördert. Freie Träger, Künstler, Vereine, kulturelle Verbände, Landesarbeitsemeinschaften und Gebietskörperschaftenkönnen dabei zweimal jährlich Förderanträge stellen.

Spielorte

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Als Zentrum des freien Theaters in Hessen kann Frankfurt gelten, dort befindet neben den meisten Gruppen eine Vielzahl an Spielorten. Neben einigen Ensembles mit festen Häusern sind der Mousonturm sowie das Gallustheater die größten Spielstädten. Zudem gibt es kleinere Orte wie die Interkulturelle Bühne. 2009 wurde zusätzlich die Kulturfabrik Sachsenhausen eröffnet. Auch die Naxoshalle hat sich inzwischen zu einem neuen Spielort entwickelt.

In Marburg sind die Waggonhalle und das G-Werk freie Spielorte mit jeweils eigenen Ensembles. In Darmstadt ermöglichen das Mollerhaus, das von dem Verein Freie Szene Darmstadt e.V. getragen wird, sowie die Bessunger Knabenschule Theateraufführungen. In Wiesbaden fungiert das Thalhaus als Spielstätte, in Kassel das Kulturhaus Dock4 .

Künstler

Nach Angaben des Ministeriums gibt es in Hessen 280 freie Theatergruppen, sowie 180 EinzelkünstlerInnen. Die freie Szene in Hessen ist äußerst vielfältig. Es sind die unterschiedlichsten ästhetischen Konzeptionen vertreten. Neben verschiedenen Spielarten eines eher klassischen Theaters findet man in Hessen auch u.a. Improvisationstheater, historisches Theater, Straßentheater und eine breite Kinder- und Jugendtheaterszene. Besonders in Frankfurt, größtenteils im Umfeld des Mousonturms, gibt es eine wachsende Szene eines zeitgenössischen Nicht-Dramatischen Theaters an der Schnittstelle zu anderen Disziplinen wie Tanz, Performance, Kunst, Film und Musik. Viele Gruppen aus diesem Umfeld stammen aus dem Institut für angewandte Theaterwissenschaften in Gießen sowie der Theater-Film und Medienwissenschaften in Frankfurt . Gerade aufgrund der Integration Frankfurts in den sogenannten „Tanzplan“ erhalten derzeit am Mousonturm Projekte zwischen Theater und Tanz besonderes Augenmerk.

Aber gerade für die zeitgenössischen Theaterproduzenten ist das künstlerische (Über-)leben in Hessen nicht einfach. Hohe Lebenshaltungskosten, vor allem in Frankfurt, aber auch eine fehlende Perspektive für ihre Kunst haben für eine ständige Abwanderung dieser Künstler nach Berlin, Hamburg, Amsterdam oder London geführt. Vor allem die Auflösung des Ballett Frankfurt und die Schließung des Theater am Turm haben dazu ihren Beitrag geleistet. Trotz solcher Verluste wächst eine vielversprechene Szene heran, die es zu pflegen gilt.

Interessensvertretung

Unter anderem ist dies die Aufgabe von laPROF , dem Landesverband Professionelles Freies Theater Hessen e.V., in dem unterschiedliche Theatergruppen aus Hessen Mitglied sind. Er sieht sich als Sprachrohr der Künstler und will dazu beitragen, die Bedingungen für die freie Theaterszene im Land weiter zu verbessern. Neben der Diskussion über Förderstrukturen und die Ausstattung freier Spielstätten, der Förderung des Austauschs zwischen den Generationen: Die in den 70er/80er Jahren entstandenen Freien Ensembles sehen sich mit der neuen Generation konfrontiert, die berechtigte Ansprüche auf Gleichstellung stellt, was einigen Sprengstoff birgt. Dialog und Begegnung sind nötig. laPROF veranstaltet deshalb seit 2005 regelmässig Symposien über zeitgenössisches Theater. Weiter sind Serviceleistungen für die freie Szene Aufgaben des Verbandes. So gibt es unter anderem bereits jetzt eine kostenlose Rechtsberatung und eine Reduzierung von GEMA-Gebühren für Mitglieder, Versicherungen und Seminare sind in Vorbereitung. Ansonsten wirkt laPROF gemeinsam mit anderen Verbänden an dem äußerst wichtigen Austausch zwischen Theater und Schule mit.

Über den Autor...

Jan Deck ist Geschäftsführer des Landesverbandes Professionelles Freies Theater Hessen (laprof). Er ist freier Regisseur und hat gemeinsam mit Katja Kämmerer 2006 das Ensemble „Profi Kollektion“ gegründet, welches Projekte zwischen Theater und Performance realisiert. Seit 2007 ist er Mitglied der Fachjury zur Theaterförderung der Stadt Stuttgart.

Bilder: Fotos: Theater Mollerhaus Darmstadt