Das Branchenbuch für Hessens Kulturlandschaft.
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Klein aber fein“ – und dabei so vielfältig – könnte man die Aktivitäten im Bereich Weltmusik in Hessen etikettieren:
nicht immer sind es die großen, repräsentativen „events“ und Festivals, die die Szene prägen, sondern die engagierten Aktivitäten in den Städten und Kleinstädten, die also keineswegs nur auf Frankfurt beschränkt sind.
Zum Beispiel – um im Norden anzufangen – das sommerliche Kulturzelt an der Drahtbrücke in Kassel, dessen Programmmacher auf 23 FestivalJahre mit über 700 Konzerten zurückblicken; und das Weltmusikfestival Kassel Ende April, das in diesem Jahr sein dreizehnjähriges Bestehen feiern konnte.
In Bad Wildungen rund um Schloss Friedrichstein hat sich eine feine, kontinuierliche Veranstaltungs-Reihe in Sachen Weltmusik etabliert, die mit dem sommerlichen Festival Folk im Schloss Ende Juli ihr besonderes highlight findet.
Engagierte Kulturarbeit gibt es z.B. im kleinen alternativen Kulturladen KFZ in Marburg, der überdies z.B. durch die jährliche Nacht der Stimmen auf der Schlossparkbühne Marburg den link zwischen Weltmusik, a capella-Kultur und vokaler comedy sucht.
Die Internationalen Sommer-Festspiele Bensheim Auerbach im Staatspark Fürstenlager bieten seit 20 Jahren – engagierte Kulturarbeit und avancierte Programm-Gestaltung in Sachen Weltmusik, ergänzt durch weltmusikalische Veranstaltungen im Parktheater Bensheim.
In Darmstadt sind es vor allem die Veranstaltungen in der Centralstation, in denen sich die eher großen Namen der Weltmusik mit Jazz, Avantgarde und Theater abwechseln, während die Deutsch-Indische Gesellschaft Darmstadt mit klassischer indischer Musik auf hohem Niveau gelegentliche Akzente setzt.
Neue Veranstaltungsorte entstehen – z.B. Anfang 2006 das Kulturzentrum Bezalel-Synagoge in Lich, in der der Kulturförderverein künstLich e.V. in loser Folge eine Veranstaltungsreihe präsentiert, die im Bereich der sogenannten 'Weltmusik' ihren Schwerpunkt setzt – in einer durchaus weitgefassten Auslegung, und die damit den Charakter des Hauses als Ort der Begegnung unterstreicht. Auch das Kulturzentrum „Die Fabrik“ in Frankfurt-Sachsenhausen setzt hier einen Schwerpunkt seiner Veranstaltungen.
Das Weltmusikleben in Hessen wird geprägt von einzelnen engagierten Aktivitäten, z.B. der Veranstaltungsreihe „Musikalisches Wohnzimmer“ im Museum der Weltkulturen in Frankfurt: Kammerkonzerte auf engstem Raum, die die Chance zu intensiven Begegnungen bieten; oder die Sommerkonzertreihe „Weltmusik im Palmengarten“ – dort im Musikpavillon. Kontinuierlich rund ums Jahr wird dies ergänzt durch Weltmusikangebote des Vereins musikglobal frankfurt e.V. , der von 1995 bis zum Sommer 2005 den Saal der Brotfabrik in Frankfurt-Hausen bespielt hat und dies nun an gediegenen Plätzen (z.B. Kirchen, Hochschule für Musik) und in der neuen Spielstätte „Die Fabrik“ in entlang thematischer Schwerpunkte fortsetzt. Auch die jährlichen Kulturtage der Europäischen Zentralbank und die Reihe „Neues aus Europa“ des Referats für Internationale Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main werden vom ihm weltmusikalisch mitgestaltet.
In der Brotfabrik Frankfurt-Hausen ist weiterhin neben der traditionellen Salsa-Party und einer Ethno-Disco Musik der Welt zu hören. Einzelne Aktivitäten gibt es von Vereinen wie dem deutsch-lateinamerikanischen Kulturverein „L’arana“, der vor rund 20 Jahren von Exil-Chilenen gegründet wurde und nach seinen Anfängen als literarischer Verein sich vor allem auf Veranstaltungen mit Musikern und Ensembles aus Lateinamerika konzentriert.
Nicht zu vergessen der bucovina-Club im Schauspielhaus: Musik aus Osteuropa als Tanzparty, Balkan-Beat und Gipsy-Rave, aufgelegt von DJ Shantel und längst der Weltmusik-Export-Schlager aus Frankfurt (nicht nur) für die jüngere Generation.
Im Bereich der Musikproduktion sind es vor allem zwei Weltmusik-Labels, die seit vielen Jahren für Weltmusik - made in Hessen sorgen: Das ist zum einen tropical music in Marburg – ein traditionsreiches Label, das seit rund 35 Jahren aktuelle Musik aus Lateinamerika und der Karibik auf den Markt bringt.
Und das ist zum anderen network medien– ein engagiertes Label aus Frankfurt, das in den 90er Jahren mit einer klassischen Weltmusik-Anthologie sowie populären wie fundierten Doppelalben reüssiert seine große Fan-Gemeinde gefunden hat.
Regelmäßige engagierte Weltmusik-Angebote präsentieren auch die Programme der Bürgerhäuser (z.B. „Andere Töne“ in Dreieich-Sprendlingen) oder Theater (z.B. das Internationale Theater Frankfurt) oder Konzerte wie die in der Kreuzkirche in Kassel.
Und weltmusikalisches Geschehen in Hessen spiegelt sich unter anderem wider in den Weltmusikprogrammen des Hessischen Rundfunks (Hörfunkwelle hr2), wo regelmäßig Mitschnitte ausgewählter Konzerte aus Hessen präsentiert werden. Die frühere Konzertreihe „Musik der Welt im hr Sendesaal“ wurde dabei abgelöst durch punktuelle Kooperationen mit verschiedenen Kulturvereinen und Veranstaltern in Hessen – zuletzt z.B. mit einem Indien-Konzert anlässlich der Frankfurter Buchmesse.
Getragen werden all diese Aktivitäten nicht zuletzt durch unzählige Musiker/innen und Gruppen, die sich zwischen Kassel und Darmstadt angesiedelt haben, und die das Kulturleben Hessens immer wieder bereichern. Die bereits 1996 von „musikglobal frankfurt e.V.“ initiierte und über viele Jahre lang gemeinsam mit dem Verein „Fast e.V. und seiner Künstlerbörse „interart“ mit Unterstützung des Amtes für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt veranstaltete renommierte Konzert-.Reihe local aliens präsentiert diesen stilistschen und musikalischen Reichtum.
Aktuelles Zeugnis der hessischen Weltmusikszene bot schließlich die erste Edition des Wettbewerbs creole – Weltmusik aus Hessen, die im Kulturladen KFZ in Marburg stattfand. Das hohe Niveau und das breite Repertoire-Spektrum der angetretenen Gruppen hat Weltmusik made in Hessen exemplarisch vorgeführt: von Latino und Mestizo über Ost-Anatolisches, Arab-Jazz und Tango Nuevo bis zu Maghreb-Mixturen und world-funk-beat.
Ein weiteres Highlight in der Weltmusikszene Hessens ist die Reihe „Summer in the City“ als internationales Open-Air-Sommermusikprogramm, das jährlich vom Mousonturm in Frankfurt veranstaltet wird. Es besteht aus "Jazz im Museum" und "Weltmusik im Palmengarten" und ist seit 1998 sehr beim Publikum beliebt. Beide Veranstaltungen gehen zurück auf das traditionsreiche Frankfurter "Summertime Festival" - damals mit fast 60 Vorstellungen und ca. 60.000 Besuchern pro Jahr ein Highlight - das 1993 aus finanziellen Gründen eingestellt werden musste.
Seit vielen Jahren schon arbeitet Cornelia Rost als feste Redakteurin beim Hessischen Rundfunk und ist zuständig für die Musik der Welt. Sie kennt die hiesige Szene durch viele Besuche bei den Festivals und Konzerten, Mitschnitte und Interviews und unzählige persönliche Begegnungen.. Zuletzt war sie Mitglied der Jury für den Wettbewerb „creole“ in Hessen und der Jury des Deutschen Weltmusikpreises „RUTH“.
Bilder: Photocase , Kasseler Weltmusikfestival, Creole Hessen