Das Branchenbuch für Hessens Kulturlandschaft.
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Denkt man im Hinblick auf die Musikgeschichte an Hessen, dann fallen einem vor allem die Namen von Louis Spohr und Engelbert Humperdinck ein. Letzterer unterrichtete von 1890 bis 1897 als Lehrer am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt am Main und er war Opernreferent der Frankfurter Zeitung. Spohr lebte von 1822 bis zu seinem Tod 1859 in Kassel, er übernahm mit der kurfürstlichen Hofkapelle das älteste deutsche Orchester, das unter seiner Leitung europäischen Rang erlangte. Der Kasseler Generalmusikdirektor Spohr ist mit 300 eigenen Kompositionen in die Musikgeschichte eingegangen. Nicht weniger bedeutend ist auch Paul Hindemith, der 1895 in Hanau geboren wurde, bis 1927 in Hessen lebte und die Musik der Moderne entscheidend prägte.
Weitere Prominente machten in Hessen Station - allen voran Clara Schumann, die 18 Jahre lang am Hoch’schen Konservatorium lehrte. Auch Richard Wagner war in Wiesbaden –allerdings eher auf der Flucht vor Gläubigern – und arbeitete an den Meistersingern. Johannes Brahms nannte nicht von ungefähr seine dritte Sinfonie die Wiesbadener, Telemann wirkte in Frankfurt.
Hessen kann also durchaus auf nennenswerte Fakten verweisen, was die Musikgeschichte angeht, was freilich für so viele andere Bundesländer auch gilt. Eine Sonderstellung kann Hessen jedoch im Hinblick auf die zeitgenössische Musik beanspruchen. Hier gibt es nicht nur die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik oder auch das Ensemble Modern. Frankfurt macht mit einigem Recht seinen Anspruch auf den Titel als deutsche Jazzhauptstadt geltend: Der Hessische Rundfunk veranstaltet hier das älteste deutsche Jazzfestival, und die Mainmetropole ist die Heimatstadt von Albert Mangelsdorff, dem vor einigen Jahren gestorbenen Namensgeber des Deutschen Jazzpreises, der als bekanntester Vertreter des deutschen Jazz in der Welt gesehen werden darf. In Darmstadt residiert zudem das international renommierte und vernetzte Jazzinstitut wie auch das Institut für Neue Musik.
Die Interessen für Musik bündelt der Landesmusikrat Hessen eV: Der Landesmusikrat Hessen will die musikalische Entwicklung in Hessen vorantreiben und sich für musikfördernde Rahmenbedingungen einsetzen. Insbesondere der Zugang zur aktiven Teilhabe an Musik für Menschen jeden Alters ist sein Anliegen.
Auch sind von Frankfurt aus mit dem Technoproduzenten und DJ Sven Väth heiße Discowellen in die Welt hinausgegangen, um nur einen der bekanntesten Vertreter dieser Szene zu erwähnen, die hunderttausende junger Menschen begeistert.
Eine vergleichbare Anziehungskraft hat die Internationale Musikmesse, die jedes Jahr im Frühling einen Ansturm von Musikern, Produzenten, Verlagen, Instrumentenbauern, Technikfirmen und Musikfans nach Frankfurt initiiert. Immer mehr wird diese Messe mit ihrem Programm zu einem kulturellen Highlight, das sich auch und gerade der Musikförderung verschreibt.
Mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, den vier Fachschulen für musikalische Berufsausbildung, dem Hoch’schen Konservatorium oder Einrichtungen wie der Landesmusikakademie in Schlitz und einer großen Zahl von Jugendmusikschulen sowie zahlreichen anderen Initiativen der freien Musikszene bieten sich in Hessen auf allen Ebenen und für alle Musikrichtungen Angebote für musikinteressierte Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene. Die Szene der Amateurmusiker ist in Hessen sowohl bei den 500 Musikvereinen wie auch bei den 3.500 Chören breit gefächert und weist ein hohes Niveau auf.
Hessen und seine Musik – das ist Tradition und Moderne, das ist Volkslied und Jazz, das ist Kinderchor und Konservatorium. Neben den großen, bekannten Festivals wie dem Rheingau-Musikfestival, den Kasseler Musiktagen, den Weilburger Schlosskonzerten und den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt gibt es auch viele kleine, aber ganz besondere Angebote. Dazu gehört auch die sich entwickelnde Weltmusikszene in Hessen, für die 2007 zum ersten Mal ein landesweiter Wettbewerb ausgeschrieben wurde. „Creole Hessen“ ist bundesweit vernetzte Musikförderung an der Basis, focussiert in einem kleinen Festival, das in Zukunft durch Hessen wandern wird.
Selbst mit der Erwähnung des Archivs Frau und Musik in Frankfurt, des Deutschen Musikgeschichtlichen Archivs in Kassel, des international bekannten Barockorchesters La Stagione aus Frankfurt, der HR-Bigband, der preisgekrönten Oper Frankfurt, der Kronberg Academy oder solch legendärer Persönlichkeiten wie Fritz Rau wird man der Vielfalt der Musik in Hessen nicht annähernd gerecht. Das Musikland Hessen wird gegenwärtig systematisch erschlossen. Die folgenden Artikel im Kulturportal Hessen sollen erste Stationen auf der Entdeckungsreise durchs musikalische Hessen bieten.
Ernst Wegener ist seit 2006 stellvertretender Leiter der Abteilung Kultur und Kunst im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in Deutschland, Frankreich und Spanien, Schwerpunkt Wissenschaftsgeschichte und Frühe Neuzeit. 15 Jahre Redakteur bei Fernsehen und Printmedien (Hochschulseite, Denkmalschutz). Von 2003 bis 2005 Grundsatzreferent im Ministerbüro des Hess. Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.
Bilder: eyelab@Photocase , krockenmitte@Photocase