Filmkunst-Kinos

Dass die Deutschen statistisch wenigstens zweimal im Jahr ins Kino gehen, (sie gehen nur 1,8 mal), diese Hoffnung hat sich auch mit den neuen, technisch aufgerüsteten Multiplex-Kinos der Großstädte bis heute nicht erfüllt. Das Bedürfnis nach deutschen und vielleicht auch europäischen Themen im Kino wurde kaum aufgriffen und damit ein großes Besucherpotential vernachlässigt.

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Filmkunstkinos EschbornZwar hat sich dies mit den aktuellen Kassenerfolgen deutscher Filme und steigenden Marktanteilen in den letzten Jahren geändert, aber gleichzeitig kommt eine weitaus größere Herausforderung auf die Kinos zu: Das ist der generelle Verlust an Exklusivität in der Auswertung neuer Filme und die Privatisierung des Filmsehens. Obwohl Filme in erster Linie fürs Kino gemacht werden, kommunizieren besonders Jugendliche ihre Filmerfahrung mittlerweile am häuslichen Monitor und ihr Blick auf Film ist damit ein völlig anderer. Das Gemeinschaftsgefühl, zusammen mit anderen Menschen in einem dunklen Raum zu sitzen und sich von deren Wahrnehmung beeinflussen zu lassen, kennen sie kaum noch. Die Unterschiede zwischen einem künstlerisch gestalteten, fein gearbeiteten Kinofilm auf großer Leinwand und einer Serien-Soap im Fernsehen gehen in der allgemeinen Bilderflut unter.

Filmkunst als Profilierung schafft Publikum

Wie muss Kino heute aussehen, damit es sich lohnt, den PC-Monitor zu verlassen und Geld fürs ‚Public Viewing’ auszugeben? Die Antwort darauf geben die engagierten Kinos, die Filmkunsttheater, Programmkinos und Kommunalen Kinos - sie machen anderes, vielfältiges und abwechslungsreiches Kino. Ihre Programmgestaltung orientiert sich an inhaltlichen Ansprüchen, sie geben meist ein monatliches Programmheft heraus und sie werden in der Regel noch von einzelnen Betreibern vor Ort geführt.

Sie zeigen opulente Literaturverfilmungen und ausgefallene Independent-Produktionen, preisgekrönte Dramen und aufregende Dokumentationen, filmische Juwelen und Experimentalfilme. Sie präsentieren anspruchsvolles deutsches und europäisches Kino und werfen mit Filmen in Originalfassung Blicke in andere Länder und Kulturen, sie pflegen das Erbe der Welt-Kinematographie und veranstalten oft eigene Filmreihen und Festivals. Im Vorprogramm zeigen sie Kurzfilme von jungen Filmemachern.

Orte mit besonderer Atmosphäre

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FilmKunstKinos ButzbachAber es sind auch Orte mit Atmosphäre, die Platz bieten für Gespräche (auch mit Regisseuren), für Crossover-Veranstaltungen wie etwa die Verbindung von Kino und Theater, Lesung und Film, Opernaufzeichnungen, Themen- und Länderabende, Mischformen also, die die Trennungen zwischen den Künsten aufheben. Um die Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu fördern, gestalten sie regelmäßig anspruchsvolle Kinderkino-Programme und Schulkinovorstellungen, im Sommer verlegen sie ihr Kino kurzerhand ins Freie und präsentieren die Filme vor reizvoller Kulisse unter freiem Himmel. Gerade an kleineren Orten haben sie sich damit zu regelrechten Kulturzentren entwickelt, in deren Spielpläne regionale Besonderheiten einfließen, die von ihren Betreibern auch persönlich vermittelt werden.

Mit dem wachsenden Medienmarkt drängt in den letzten Jahren eine steigende Zahl von Filmproduktionen in die Kinos (jährlich 400 Kinostarts!). Hier sind es gerade die Filmkunstkinos, die sich um die Aufführung von Erstlingsfilmen kümmern, viele Regisseure finden hier erste Anerkennung, mancher Produzent und Verleiher auch den Weg zum Publikum. Viele Arthouse-Kinos nutzen diese Angebotsvielfalt gerade als Chance, ein eigenes Programmprofil zu entwickeln.

Filmkunstkinos erfreuen sich bundesweit konstanter Beliebtheit, sie sind den aktuellen Bedrohungen durch DVD-Konkurrenz und Internet-Filmpiraterie nicht so sehr ausgesetzt, da sie zusätzliche Altersgruppen jenseits der 20 ansprechen, für die es eine Qualität darstellt, auch außerhalb der eigenen vier Wände gemeinsam mit anderen Menschen die kostbare Freizeit sinnerfüllt zu verbringen.

Filmkunstkinos Eschborn-2Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten schneidet Deutschland im europäischen Vergleich bei der Auswertung von Filmkunstfilmen noch relativ schlecht ab; der Marktanteil der Filmkunstkinos beträgt bundesweit 20%, das Land Hessen liegt mit einem Anteil von 12% (das sind 40 Programm- und Kommunale Kinos) wiederum erheblich unter dem Bundesdurchschnitt (s. Hess. Kulturwirtschaftsbericht). Es wird deutlich, dass hier Potentiale brachliegen, um in vielen hessischen Mittelstädten entsprechenden Angebote zu entwickeln.

Kooperation und Förderung bieten gute (Start)Bedingungen

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Ausgezeichnete Arthouse-Kinos in den Regionen zeigen aber, dass prinzipiell in jeder Kleinstadt in Hessen mit mehr als 20.000 Einwohnern ein kontinuierliches Filmkunst-Angebot funktionieren kann. So gibt es unter anderem in Schlüchtern, Mörfelden-Walldorf, Lich oder Witzenhausen lebendige Beispiele dafür, wie erfolgreich eine solche Arbeit sein kann. Es werden regelmäßige Preise für das Engagement verliehen, darunter vor allem der Hessische Film- und Kinopreis.
Belegt wird dies auch durch die erfolgreichen Filmkunstreihen des Film- und Kinobüros Hessen, die das Programmangebot von Mainstream-Kinos in Klein- und Mittelstädten sinnvoll ergänzen.

Für den Erhalt gerade dieser kleineren und mittleren Kinos in den Regionen wird es in den nächsten Jahren für ihre Betreiber darauf ankommen, die Häuser nicht nur als reine Filmabspielstätten zu betrachten, sondern sie für eine vielfältigere Nutzung zu öffnen. Dabei müssen sie vor allem intensiv mit ihren Kommunen zusammenarbeiten, die eine vorhandene Infrastruktur bereitstellen können.

Phantasie und Kreativität sind gefragt – auch bei der Erprobung neuer Formen des Filmabspiels. Schon heute gibt es in Hessen beispielhafte Kooperationen zwischen Kommunen, die etwa eine originelle Räumlichkeit bereitstellen, und Trägervereinen, die für die Programmgestaltung und den Betriebsablauf verantwortlich sind. Aus diesen Kooperationen entstehen zahlreiche Synergieeffekte, sie sind kulturwirtschaftlich darstellbar und damit auch zukunftsfähig. In vielen Kommunen besteht großes Interesse an solchen Projekten, da sie der Verbesserung der Infrastruktur dienen. Wenn es an der nötigen Anschubfinanzierung und auch am Know-how fehlt, kann das Film- und Kinobüro Hessen beratend zur Seite stehen.

Zum Hessischen Film- und Kinopreis

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Bilder: Abenaa@Photocase