Denkmalschutz und Energieeinsparung

Denkmalschutz-und-EnergieeinsparungEine Netzwerktagung „Denkmalschutz und Energieeinsparung" am 9. Februar 2012 im Biebricher Schloss zeigte vielfältige Möglichkeiten, Kulturdenkmäler energetisch zu ertüchtigen, ohne ihr charakteristisches Erscheinungsbild zu beeinträchtigen.

Die Tagung wurde vom Institut für Steinkonservierung e.V. in Mainz, dem Institut für Massivbau, Fachbereich Werkstoffe im Bauwesen der Universität Darmstadt und dem Landesamt für Denkmalpflege organisiert.

Dass die Tagung seit Wochen ausgebucht war sah Prof. Dr. Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, als Zeichen dafür, dass man mit den Forderungen und neuesten Forschungsergebnissen im Bereich der energetischen Ertüchtigung von Kulturdenkmälern auf dem richtigen Weg sei.

Vielfalt von innovativen Dämmmaterialien

Bei der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Tagung referierten Experten aus den unterschiedlichsten Forschungszusammenhängen über eine Vielfalt von innovativen Dämmmaterialien und Anlagentechnik. Alternativen zur Verpackung von Fassaden sind insbesondere Innendämmungen, Hohlraumdämmungen und Optimierungspotentiale durch haustechnische Anlagen. „Die Qualität der planerischen Möglichkeiten im Bereich der energetischen Ertüchtigung von Kulturdenkmälern hat in den letzten Jahren deutlich an Qualität gewonnen", so Dr. Ing. Roswitha Kaiser, Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege des Landesamtes.

Der Blick über die eigenen Grenzen hinaus öffnet neue Bewertungsmaßstäbe

Ein wichtiger Aspekt sei dabei auch der Blick über die eigenen Grenzen hinaus. Dass es auch anders gehe, bewiesen die Messwertanalysen in vier historischen Stadtquartieren der Stadt Winterthur, deren Gesamtenergie Bilanz sich nicht von den nach neuesten Standards gedämmten Quartieren am Rande der Stadt unterscheide. „Künftig müssen wir bei der energetischen Bewertung eines Gebäudes einen ganzheitlicheren Bewertungsmaßstab zugrunde legen. Mit angerechnet werden müssen beispielsweise auch die Wege, die zurückgelegt werden oder die Größe der bewohnten Fläche", referierte der Schweizer Kollege Reto Bieli.

Kulturdenkmäler brauchen individuelle Lösungen

Die vorgestellten Beispiele vorbildlich ertüchtigter Gebäude aus Limburg, Frankfurt und Wiesbaden zeigten eine große Bandbreite an Möglichkeiten, ein Denkmal energetisch zu ertüchtigen. Bei allen Beispielen seien im Gespräch mit Energieexperten, Denkmalpflegern und Architekten jeweils individuelle Lösungen gefunden worden. „Die hohen Anforderungen an den historischen Baubestand sind jeweils nur mit einer qualifizierten, fachlichen Beratung zu realisieren, die nicht nur den Zeugniswert eines Gebäudes bewertet, sondern auch seine spezifischen Voraussetzungen im Bereich der Bauphysik", war die Meinung von Heinz Wionski von der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege des hessischen Amtes.

Neue Förderprogramme und Energieberater

Mit Hilfe eines neuen KfW- Fördersegments „Effizienzhaus Denkmal" , das ab 1.4. 2012 in Kraft tritt, wird es künftig möglich sein, dass auch Denkmalbesitzer durch energetisches Sanieren Kosten sparen und in den Genuss von staatlichen Fördermitteln kommen können, ohne das charakteristische Erscheinungsbild ihres Gebäudes durch Dämmmaterialien verändern zu müssen. „Die Voraussetzung dafür ist eine fach- und sachgerechte Beratung durch ausgewiesene Energieberater", sagte Dr. Roswitha Kaiser mit Verweis auf eine Koordinierungsstelle, die derzeit in Kooperation mit anderen Institutionen eingerichtet werde.

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Quelle: Hessisches Landesamt für Denkmalpflege