Drei Meilensteine fürs Lesen

Lesestert-LogoMit „Lesestart“ hat das größte Leseprogramm begonnen, das Deutschland je gesehen hat. Ausgedacht hat sich die Kampagne die „Stiftung Lesen“ in Mainz, finanziert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit mehr als 20 Millionen Euro.

Die Gemeindebücherei Groß-Zimmern macht mit. Auch das Amt für Gesundheit in Frankfurt. Ebenso die Kinderarztpraxis Bettina Günther in Friedrichsdorf. Sie alle beteiligen sich an der Aktion „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“, die jetzt in ganz Deutschland begonnen hat. Doch noch machen nicht alle hessischen Bibliotheken mit.

„Die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, ist die Grundlage für gute Bildungschancen“, sagt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Mit dem Programm wolle man mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen. Lesen sei eine Schlüsselqualifikation, sagt Jörg Maas, der Hauptgeschäftsführer der „Stiftung Lesen“. Diese Grundfähigkeit müsse in der Bildung und Ausbildung der nächsten Generation verankert werden. Mit dem „Lesestart“ gebe man den Eltern eine einfache, aber effektive Möglichkeit, ein gutes Fundament für die Bildungsbiographie ihrer Kinder zu schaffen.

Tatsächlich ist „Lesestart“ das umfangreichste Leseprogramm, das jemals in Deutschland aufgelegt worden ist. In den ersten drei Jahren werden mehr als 400 000 Lese-Sets an Eltern einjähriger Kinder ausgegeben, so dass mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs von der Aktion profitieren.

In den nächsten acht Jahren wollen die Leseförderer anderthalb Millionen Kinder und deren Eltern erreichen. Die drei Meilensteine, von denen im Titel der Aktion die Rede ist, sollen zu drei verschiedenen Zeitpunkten im Leben eines Kindes gesetzt werden: bei der U6-Vorsorgeuntersuchung, die üblicherweise im zehnten bis zwölften Lebensmonat stattfindet; bei der Aufnahme in den Kindergarten mit drei Jahren und beim Eintritt in die Schule. Schaut man sich auf der Internetseite der Aktion (www.lesestart.de) die Karte Hessens an, findet man schon an die 50 Kinderarzt-Praxen, die beim „Lesestart“ teilnehmen. Die Ärzte schenken einem Kind bei besagter U6-Untersuchung das erste Buch – ein Pappbilderbuch, in das ein Baby auch mal beißen kann. Die Eltern erhalten bei dieser Gelegenheit eine in Deutsch, Russisch, Türkisch und Polnisch verfasste Broschüre, in der sie über die Bedeutung des Lesens und Vorlesens aufgeklärt werden.

Kinder- und Jugendärzte richteten heutzutage ihr Augenmerk nicht nur auf die medizinische Versorgung von Kindern, sondern auch auf deren individuelle Förderung, sagt Wolfram Hartmann, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Dessen Mitglieder haben denn auch dem „Lesestart“ ihre Unterstützung zugesagt. Leseschwächen und Krankheit scheinen oft zusammenzuhängen. Alle großen Studien zeigten, dass Arme und Bildungsferne überdurchschnittlich häufig krank seien, berichtet der Kinderarzt Klemens Senger. Schon dünner gesät auf der Hessenkarte sind die Bibliotheken, die sich an dem neuen Programm beteiligen. Knapp mehr als 20 Büchereien haben zugesagt, angehenden Kindergarten-Kindern beim Besuch ihrer Bibliothek das zweite Lese-Set zu überreichen. Auch dieses besteht aus einem Bilderbuch und einer Elternbroschüre, deren wichtigste Botschaft lautet: „Lest euren Kindern vor.“

Fünf Bibliotheksverbände – Deutscher Bibliotheksverband, Borromäusverein, Evangelisches Literaturportal, St. Michaelsbund und die Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen – übernehmen die Verteilung der Sets an ihre Mitglieder. Für die Bibliotheken hat die Stiftung ein Poster und Info-Flyer vorbereitet, mit deren Hilfe „Lesestart“ bekannt gemacht werden soll. Sie bietet Bibliothekaren ferner eine spezielle Fortbildung zum Thema frühkindliche Sprach- und Leseförderung an.

Noch steigerungsfähig ist die Beteiligung kommunaler Einrichtungen in Hessen. Auf besagter Karte im Internet sind bisher die Gemeindeverwaltung von Alsbach-Hähnlein und das Frankfurter Stadtgesundheitsamt aufgeführt. Allerdings haben der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag sowie der Deutsche Städte- und Gemeindebund zugesagt, ihr Wissen beizusteuern.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv". Erstveröffentlichung am 22. November 2011 (Seite 45), Autor: rieb.