Neues Festival für zeitgenössische Musik in Frankfurt

jack-quartettAm 25. November startet mit „cresc…Biennale für Moderne Musik“ ein neues Festival mit Ensembles und Aufführungen erster Güte. Spartenübergreifend will man arbeiten und die Musik mit anderen Kunstgattungen anreichern. In diesem Jahr ist Architektur und Raum das Dachthema, mit dem man nicht nur Spezialisten ansprechen will.

Als „Nabel der Avantgarde“ hat ein Musikkritiker den Großraum Frankfurt für die Zeit nach 1945 beschrieben. Doch diese Tradition wurde bisher eher von Spezialisten wahrgenommen, denn von einer breiteren Öffentlichkeit. Nun soll ein neues Festival mit dem Titel „cresc…Biennale für Moderne Musik“ die Kräfte bündeln, die zeitgenössische Musik im öffentlichen Leben verankern und die Mainmetropole als ein Zentrum für dieses Genre weiterentwickeln. In diesem Jahr wird die Biennale ihre Premiere haben und vom 25. bis 27. November das Publikum mit Ensembles und Aufführungen erster Güte begeistern. Mitinitiiert und ermöglicht wurde die Realisierung dieser Idee durch die Förderung des Kulturfonds F rankfurt RheinMain.

Renommierte Ensembles gehören zu den Hauptakteuren

Hauptakteure sind das [f:Ensemble Modern, das Sinfonieorchester und die Bigband des Hessischen Rundfunks sowie das Internationale Musikinstitut in Darmstadt]. Das Ensemble Modern zählt weltweit zu den renommiertesten Orchestern für zeitgenössische Musik, und auch das hr-Sinfonieorchester gilt als herausragender Klangkörper und hat eine lange Tradition in der Pflege moderner Musik. Es veranstaltet seit 1989 die Konzertreihe „Forum neue Musik“. Das Darmstädter Internationale Musikinstitut lädt alljährlich zu den in Fachkreisen bekannten internationalen Ferienkursen für Neue Musik ein. Dort wurde schon ein Stück Geschichte der modernen Musik geschrieben, da im Lauf der Jahre all e großen zeitgenössischen Komponisten an den Kursen teilnahmen.

Das Dachthema 2011 ist „Architektur und Raum“

Die Veranstalter wollen der Biennale „cresc…“ ein eigenes Profil geben. Sie wollen spartenübergreifend arbeiten und die Musik mit anderen Kunstgattungen anreichern. „Die Musik der Gegenwart soll als Katalysator für Entwicklungen in verschiedenen künstlerischen Bereichen wirken“, meint Roland Diry, Geschäftsführer und langjähriger Klarinettist des Ensemble Modern. In diesem Jahr kommt zur Musik noch das Thema „Architektur und Raum“, da im Mittelpunkt von „cresc…“ der Architekt und Komponist Iannis Xenakis steht, der seine Laufbahn als Architekt begonnen, zeitweise mit Le Corbusier zusammengearbeitet und sich später dem Komponieren gewidmet hat. Im Jahr f:2013 wird s ich das Festival um die Thematik „Film und Musik“ gruppieren. Unter anderem gibt es schon Gespräche mit dem Videokünstler Bill Viola, und es ist an eine Aufführung des Films Odyssee im Weltraum mit Orchesterbegleitung gedacht. Für f:2015 ist als Dachbegriff „Musik und Bühne“ vorgesehen.

Nicht nur die Spezialisten sind angesprochen

Die Veranstalter wollen über die Spezialisten für moderne Musik hinaus ein breiteres Publikum erreichen. „Ein sehr offenes Publikum mit weit gefächerten Interessen“, beschreibt die hr-Musikchefin Andrea Zietzschmann die Zielgruppe. Die Initiatoren sehen ihre Chance darin, dem Publikum besondere Erlebnisse zu bieten, die durch das Auflegen einer CD oder einer DVD mit einer hochwertigen Anlage nicht zu erzielen sind. Mit ihren Vorstellungen grenzen sie sich deutlich ab von den Donaueschinger Musiktagen, die ausschließlich Uraufführungen eher für ein Spezialistenpublikum bieten. Auch wenn die Premiere erst bevorsteht, sind die Macher schon mit den Planungen für die nächsten Jahre bes chäftigt. Das Festival soll wachsen und weitere Partner sollen mit einbezogen werden. Im Jahr 2013 werden die Frankfurter Alte Oper und das Staatstheater Darmstadt mit von der Partie sein, und für das Jahr 2015 finden schon Gespräche mit der Oper Frankfurt über gemeinsame Projekte statt.

Komponisten erproben ihre Ideen mit den Musikern

Zu dem Konzept von „cresc…“ zählen auch Uraufführungen von Komponisten, die zuvor am Internationalen Komponistenseminar, gefördert durch die Allianz Kulturstiftung, teilgenommen haben. Das besondere ist, dass sie sowohl mit dem Ensemble Modern als auch mit dem hr-Sinfonieorchester ihre musikalischen Ideen ausprobieren können. Allein das Sinfonieorchester stellt für dieses Projekt 14 Tage Probezeit zur Verfügung. Die Komponisten müssen also nicht zurückgezogen über den Notenblättern brüten und die Musik in ihrer Phantasie erklingen lassen, sondern sie können ihre Ideen mit diesen Orchestern erproben und so feststellen, ob ihre Vorstellungen den realen Klängen entsprechen . Ausgewählt wurden die acht Komponisten im Alter zwischen 35 und 40 Jahren durch das internationale Netzwerk des Ensemble Modern und eine eigene Ausschreibung.

Intensives Klangerlebnis bei Xenakis

Von Komponist Iannis Xenakis wird unter anderem in der Darmstädter Böllenfalltorhalle sein Werk „Terretektorh“ (Erdbeben) aus dem Jahr 1966 aufgeführt, bei dem das Publikum zwischen den kreisförmig angeordneten Musikern sitzt, was zu einem außerordentlich intensiven Klangerlebnis führt. Es dirigiert Matthias Pintscher, der aus Frankfurt kommt und als Dirigent und Komponist eine internationale Karriere gemacht hat. Das Eröffnungskonzert findet im Sendesaal des Hessischen Rundfunks statt. Dirigent und Komponist Johannes Kalitzke bringt unter anderem „Alax“ von Xenakis und von Carter „A Symphonie of Three Orchestras“ zur Aufführung. Begleitend zu dem Festival gibt es ein Symposion un d eine Ausstellung über Xenakis‘ Architektur und Musik im Hessischen Rundfunk. Höchstes internationales Niveau beweist das Festival auch durch die teilnehmenden Gast-Ensembles. Neben den schon genannten werden das traditionsreiche Ensemble intercontemporain aus Paris mit seiner Chefdirigentin Susanna Mälkki aufspielen, sowie das Jack-Quartett aus New York und das Ensemble Zeitkratzer aus Berlin.

Eine alte Idee von Hindemith wird Realität

Die Idee für ein solches Festival ist nicht neu. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte Dieter Rexroth als Programmverantwortlicher für die Alte Oper die alljährlichen Frankfurt Feste der modernen Musik gewidmet und mit hohem Aufwand und erheblichen Kosten große Werke zeitgenössischer Komponisten aufführen lassen. Aber schon in den zwanziger Jahren hatte der Komponist Paul Hindemith den Stadtoberen ein solches Festival vorgeschlagen, war aber auf wenig Resonanz gestoßen. Nun wird seine Idee zwei Jahre vor seinem 50. Todestag zur Realität.

www.cresc-biennale.de

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt |   Autor: Nikolaus Münster

Bild: Justin Bernhaupt