Klare Konsequenzen aus Mobbing-Streit am Theater Darmstadt

staatstheater-darmstadtWie hr-online berichtet, hat Staatsministerin Kühne-Hörmann hat den Prüfbericht zu den Mobbing-Vorwürfen am Staatstheater Darmstadt vorgelegt, dessen Empfehlungen umgesetzt werden sollen. Konsequenz: Für die meisten Beteiligten wird es eng, auch für Intendant John Dew.

 Mediator Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff benennt in seiner Untersuchung den "höchst autokratischen Führungsstil" von Intendant John Dew als eine der Hauptursachen für die "Verwerfungen" und "Explosionen" am Staatstheater. Die Situation am Theater kochte hoch, als der Intendant John Dew und der Generalmusikdirektor Constantin Trinks die Lebensgefährten des jeweils anderen als Sänger für ungeeignet erklärt hatten.

"Die Ergebnisse der Untersuchung von Staatssekretär a.D. Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff bilden eine gute Grundlage für die anstehenden Entscheidungen zur Klärung der Situation am Staatstheater Darmstadt", hieß es bei der Präsentation des Prüfberichts am 19. Januar 2012, an der neben der Ministerin auch der Darmstädter Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch teilnahmen. "Die Träger des Staatstheaters – Land und Stadt – nehmen die Ergebnisse der Untersuchung zur Kenntnis und werden den Empfehlungen folgen."

Es komme nun darauf an, "schnellstens wieder ein produktives Klima im Staatstheater zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass einzelne Mitarbeiter des Hauses, wie z. B. der junge Regisseur Lothar Krause, von allen im Zusammenhang mit der Affäre öffentlich erhobenen Vorwürfen rehabilitiert werden", sagte Oberbürgermeister Partsch.

Konsequenzen für Trinks und Anwalt Schwab

Im Prinzip haben fast alle Beteiligten an den Streitereien in Darmstadt mit Konsequenzen zu rechnen, soweit sie sie noch nicht selbst gezogen haben: Die Kündigung von seiten des Generalmusikdirektors Constantin Trinks, die das Ministerium zunächst nicht akzeptieren wollte, wird angenommen - Trinks habe in der angebotenen fachlich begleiteten Mediation kein geeignetes Mittel zur Konfliktlösung erkennen wollen, so die Mitteilung des Ministeriums, und sich zudem in einem Fernsehinterview geäußert, obwohl er laut Arbeitsvertrag "Loyalität gegenüber dem Rechtsträger und der Theaterleitung zu wahren" habe. Doch Trinks hat möglicherweise mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen: Er habe ohne Zustimmung oder auch nur Wissen der Gesprächspartner Telefonate mit Untergebenen mitgeschnitten und diese dann Dritten vorgespielt, heißt es im Prüfbericht und in der Mitteilung des Ministeriums.

Ebenso empfiehlt Mediator Grosse-Brockhoff, die Vorgehensweise von Trinks Anwalt Ulrich Schwab zu überprüfen: Er fordert das Ministerium auf, "die von mir problematisierten einschlägigen Vorgänge von Seiten RA Schwab der für ihn zuständigen Rechtsanwaltskammer mit der Bitte um Überprüfung zu übergeben".

Intendanz neu ausgeschrieben

Eine weitere Entscheidung betrifft den Intendanten des Staatstheater selbst: Der Vertrag mit John Dew wird - so kann man interpretieren - wohl kaum verlängert: "Der planmäßige Übergang zu einer neuen künstlerischen Leitung des Staatstheaters Darmstadt wird mit der öffentlichen Ausschreibung der Intendanz noch in diesem Frühjahr eingeleitet", heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums vom Donnerstag. Eine außerordentliche Kündigung Dews empfiehlt Mediator Grosse-Brockhoff nicht, da Dew sich entschuldigt habe. "Aufgrund der Tatsache, dass der Intendant John Dew schwere Fehler bereits eingeräumt habe und er selbst das in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten führende Engagement seines Lebenspartners inzwischen gelöst habe, gibt es auf den ersten Blick keine verwertbaren Anhaltspunkte, die juristisch eine außerordentliche Kündigung seines Dienstvertrags rechtfertigen würden", sagten Kühne-Hörmann und Partsch. Die Prüfung dauere noch an, hieß es weiter.

Aufpasser für John Dew

Bis dahin aber werde im Staatstheater "allerdings ein Ombudsmann beziehungsweise eine Ombudsfrau installiert, der/die als ständiger Ansprechpartner für alle Beschäftigten zur Verfügung stehen wird, und auch ein externer Moderator, der das Leitungsteam begleiten wird", heitß es weiter. Land und Stadt seien dabei, eine geeignete, unabhängige Persönlichkeit dafür zu gewinnen.

Auch für die Künstler, um die es bei den Streitereien in Darmstadt ging, gibt es Konsequenzen: Gäste, darunter auch die Lebensgefährtin von Constantin Trinks, Alexandra Lubchansky, werden in absehbarer Zeit nicht mehr engagiert. Sven Ehrke, Mitglied des Sängerensembles und Ehemann des Intendanten John Dew, hat seinen Vertrag bereits aufgelöst.

Quelle: hr-online