Das Branchenbuch für Hessens Kulturlandschaft.
Finden Sie Künstler, Musiker, Theater, Förderpreise und vieles mehr…
Das Branchenbuch für Hessens Kulturlandschaft.
Finden Sie Künstler, Musiker, Theater, Förderpreise und vieles mehr…
Die neu konzipierte Ausstellung im Museum Großauheim zeigt den Übergang von der traditionellen zur mechanisierten Landwirtschaft. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet darüber.
Der Vergleich zwischen dem einfachen Pflug aus Holz und dem Traktor macht augenfällig, wie stark die Mechanisierung die Landwirtschaft verändert hat. Der rote Traktor aus dem Jahr 1961 hat zwar nur 20 Pferdestärken, aber das Fahrzeug steht doch für den modernen Landbau, wie er sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Dem gegenüber muten die Geräte aus dem 19. Jahrhundert archaisch an. Vor den hölzernen Pflug musste ein Pferd oder ein anderes Zugtier gespannt werden.
Ein anderer Pflug, ebenfalls mehr ein Jahrhundert alt, wird immerhin getragen von zwei Speichenrädern aus Holz. Daneben steht ein Leiterwagen aus Eichenholz. Ausgestellt ist auch eine einfache Wanne aus Blech, in der der Bauer beim Säen das Saatgut trug.
Zu sehen sind diese Erinnerungsstücke im Museum Großauheim in Hanau, das nach einer Neugestaltung am Sonntag wiedereröffnet wird. Völlig neu konzipiert wurde dafür die Ausstellung, die den Übergang zeigt vom Einsatz der Muskelkraft von Mensch und Tier zur Benutzung von Maschinen. In einem Teil des Museums werden Werke des Bildhauers August Gaul und des Großauheimer Künstlers August Peukert ausgestellt.
Eine der ersten Ackermaschinen ist dort zu sehen, ein Dampftraktor, der noch vor der vorletzten Jahrhundertwende gebaut wurde. Das mächtige Gerät von 1896 mit zwei Zylindern sieht aus wie eine Lokomotive, auf dem langen Kessel vorne ragt ein Schornstein auf. Die breiten Räder sind aus Metall, ohne Bereifung. Gebaut wurde die Zugmaschine ursprünglich als Dampfwalze.
Bei der Umgestaltung des Museums im ehemaligen Badehaus und dem früheren Elektrizitätswerk wurden die Ausstellungsstücke neu gruppiert. Der Besucher kann nicht mehr direkt an jedes Gerät herantreten, sondern darf es nur von einer Rampe aus betrachten, die am Rand des Raums entlangläuft. Wie diese alten und neueren Maschinen eingesetzt wurden, zeigen Fotos und Videosequenzen.
In einem anderen Raum werden stationäre Dampfmaschinen präsentiert. Allein das Schwungrad eines Geräts aus dem Jahr 1936 misst mehr als zwei Meter im Durchmesser. Zu sehen ist auch, wie eine Energieform, die Dampfkraft, benutzt wurde, um Kraft eines anderen Typs, elektrischen Strom, zu erzeugen: Eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1890 ist mit einem Treibriemen mit einem 1896 gebauten Dynamo verbunden, der so immerhin drei Kilowattstunden Strom mit 110 Volt liefern konnte. Auch einen Blick in das Alltagsleben früherer Zeiten erlaubt das Museum Großauheim. Ein Foto von 1930 bildet ein fröhliches Paar auf einem Motorrad ab, ein Bild von 1918 zeigt Herren in der Kneipe mit Bierhumpen und Spielkarten. Im Jahr 1924 war der Winter so streng, dass man auf dem zugefrorenen Main eislaufen konnte, wie ein anderes Foto dokumentiert.
Die neue Ausstellung dokumentiert mit Fotos, Texttafeln und einigen Exponaten auch die neuere Industriegeschichte. Erläutert wird, wie der Hafen und die Eisenbahn die Voraussetzung dafür schafften, dass sich in Großauheim Betriebe ansiedeln konnten, als erster die Rütgers-Werke, die Eisenbahnschwellen imprägnierten. Beim Stadtteil Wolfgang entstand die Pulverfabrik, aus der sich später der Industriepark Wolfgang entwickelte. Das Halbrelief eines Auto erinnert daran, was Hanauer Unternehmen heutzutage an Produkten der Hochtechnologie zum Fahrzeugbau beitragen. Nachzuvollziehen ist an 31 Beispielen, was in der Stadt entwickelt und produziert wird. Die Reifen etwa kommen von Dunlop, Heraeus liefert Platindrähte für den Airbag, Umicore den Katalysator.
Das Museum Großauheim, Pfortenwingert 4, in Hanau-Großauheim, wird am Sonntag, 16 Uhr, eröffnet. Zu sehen ist auch eine Sonderausstellung mit Fotografien von Ruth Marcus, die Tierplastiken von August Gaul zeigen.
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv". Erstveröffentlichung am 8. Dezember 2011 (Seite 49), Autor: höv.
Bild: Stadt Hanau