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hr-online hat einem in Frankfurt großgeworden, ausgesprochen eigenwilligem Komponisten zum 75. Geburtstag ein sehr lesenswertes Portrait gewidmet: es geht um Rolf Riehm. Niemand vor ihm hat in so komplexer Weise gesellschaftliche Fakten und ganz persönliche Zutaten musikalisch zusammengebracht.
In diese eigenwillige Melange mischt er noch Mythen, Märchen, Erinnerungen, naturwissenschaftliche Argumente, Erhabenes und Triviales hinein. Ohne sich älterer oder jüngerer Kompositionstraditionen zu bedienen, hat Riehm die ganze Palette an Ausdrucksmöglichkeiten genutzt und, wenn nötig, radikaler ausgeformt, als das im Rahmen der verfeinerten Klangkultur schicklich war.
Riehm spielt mit Visionen eines besseren Lebens und den Machtinteressen derer, die es verhindern; bei den archaischen Figuren der frühen Dichtung findet er Wünsche, Listen, Hoffnungen, Niedertracht, Enttäuschung, Liebe, Hass, Verrat, Gelüste, Sehnsucht, Trauer und Glück und konfrontiert diese Werte mit der Gegenwart.
Rolf Riehm wurde 1937 in Saarbrücken geboren und wuchs in Frankfurt auf. Hier studierte er zunächst Schulmusik und ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg. Danach war er als als Solo-Oboist tätig. Eine seiner ersten Kompositionen war das für Oboe komponierte Werk "Ungebräuchliches", das im Dezember 1965 in Frankfurt uraufgeführt wurde und bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt für Furore sorgte.
Riehm ist Mitbegründer der Frankfurter Vereinigung für Musik, die von 1964 bis 1970 existierte. Nach kurzem Schuldienst war er ab 1968 Dozent an der Rheinischen Musikschule Köln, wo er bis 1972 auch Mitglied der "Gruppe 8", einem Zusammenschluss Kölner Komponisten, war. 1968 erhielt er die Auszeichnung "Premio Marzotto per la Musica" und ein Stipendium der Villa Massimo, das ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichte.
Von 1974 bis 2000 war Rolf Riehm Professor für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule in Frankfurt. Zusammen mit den Jazzmusikern Alfred Harth, Heiner Goebbels und Christoph Anders sowie einem Kreis "alternativer" Frankfurter Musiker gründete er 1976 das legendärte "Sogenannte linksradikale Blasorchester", in dem er bis 1981 als Altsaxophonist und Komponist mitwirkte.
Nicht erst seit dieser Zeit verstand sich Riehm als politisch Handelnder. So komponierte er beispielsweise 1977 das Gitarrensolo "Notturno für die trauerlos Sterbenden", in dem er die Reaktionen auf den nicht ganz geklärten Tod der drei RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim festhielt.
Konzertreisen, Vorträge und Workshops führten ihn u.a. nach Schweden, Mittel- bzw. Südamerika und Japan. 1992 erhielt er den Kunstpreis des Saarlandes, 2002 den "Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau", seit 2010 ist er Mitglied der Berliner Akademie der Künste.
Im Dezember 2003 fand im Sendesaal des Hessischen Rundfunks die Uraufführung von "Fremdling, rede" von Rolf Riehm statt. Das Werk, eine "Ballade Furor Odysseus" mit Texten aus der Odyssee für Mezzosopran, Sprecher und großes Orchester wurde vom RSO Frankfurt (heute hr-Sinfonieorchester) unter der Leitung von Peter Rundel gespielt. Zuletzt komponierte er das Werk "Lenz in Moskau" (2011) für Posaune, Gitarre, Violoncello, Klavier, zwei Schlagzeugspieler und Zuspielungen.
Quelle: hr-online (unter Verwendung eines Textes von Bernd Leukert)