
Hessen ist ein Land mit vielfältigen kulturellen Traditionen und einzigartigen kunsthistorischen Schätzen. Die Region zwischen Odenwald und Meißner, zwischen Rhön und Rheingau im Herzen Europas war seit jeher den Einflüssen unterschiedlicher Kulturen ausgesetzt, die das Land in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder neu geprägt haben. Eine erste Hochkultur hatte sich unter den Kelten schon im fünften vorchristlichen Jahrhundert entwickelt, viele Fundstätten in Hessen dokumentieren diese Zeit.
Neben der reichen kulturellen Vergangenheit mit all ihren überlieferten Zeugnissen gibt es im heutigen Hessen eine ausgesprochen lebendige zeitgenössische Kulturszene. Dieses Nebeneinander der Herausforderungen - das Bewahren und Pflegen des Erbes aus der Vergangenheit auf der einen Seite, das Weiterentwickeln moderner Kultur durch gezielte Förderung auf der anderen Seite - kennzeichnet die Kulturpolitik des Landes.
Die Förderung von Kunst und Kultur erfolgt seit einigen Jahren auch unter einem ganz neuen Blickwinkel: dem Bewusstsein der Bedeutung von Kulturwirtschaft. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass Kultur alles andere als ein „weicher“ Standortfaktor ist! Inzwischen wissen wir, wie sehr Kunst und Kultur zur wirtschaftlichen Entwicklung der Länder beitragen.
Die Kulturwirtschaft in Hessen stellt mit rund 120.000 Beschäftigten einen ähnlich bedeutenden Arbeitsmarktfaktor dar wie die Automobil- und Chemiebranche. Sie erzielt einen Jahresumsatz von rund 19 Milliarden Euro; dies entspricht etwa fünf Prozent aller in Hessen erreichten Umsätze. Beispielsweise sichern die vielfältigen Initiativen im Bereich der kulturellen und wirtschaftlichen Filmförderun] (z. B. der FilmFinanzierungsFonds Hessen ) nicht nur bereits vorhandene Arbeitsplätze, sie schaffen derzeit auch viele neue! Daher ist es ein Ziel der Kulturpolitik in Hessen, derartige Besonderheiten der Kulturlandschaft zu fördern und zu stärken.
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Die Bewertung staatlicher Kulturpolitik bemisst sich in der Öffentlichkeit vor allem an den Ergebnissen der großen Investitionen. Hier ist für Hessen zu allererst die Neugestaltung der Museumslandschaft Hessen Kassel zu nennen, die gegenwärtig mit einem finanziellen Aufwand von 200 Millionen Euro umgesetzt wird und die zu den größten Kulturprojekten in Deutschland zählen. Kassel ist nach Berlin und Dresden der drittgrößte Museumsstandort Deutschlands!
Das 2008 auslaufende Kulturinvestitionsprogramm der Landesregierung (rund 260 Millionen Euro) hat die Renovierung der Staatstheater in Kassel , Wiesbaden und Darmstadt (jeweils in zweistelliger Millionenhöhe), die nahezu abgeschlossene Sanierung des Museums Wiesbaden und die Instandsetzung des Landesmuseums Darmstadt möglich gemacht. Die Bauten der großen traditionsreichen Landeskulturinstitutionen präsentieren sich damit nach einem über Jahrzehnte angewachsenen Sanierungsstau in neuem Glanz – mit beachtenswerten Superlativen: die Bühnentechnik des Darmstädter Staatstheaters gilt als die modernste des Kontinents.
Für große Resonanz hat die Entscheidung der Landesregierung gesorgt, am Glauberg, der Fundstätte der 2500 Jahre alten Keltenfürst-Statue, ein Keltenmuseum zu bauen. Auch die UNESCO-Weltnaturerbestätte Grube Messel wird bald ein neues Besucher- und Informationszentrum erhalten, das den tropischen Lebensraum der Zeit vor 48 Millionen Jahren veranschaulichen wird. Auf der Welterbeliste der UNESCO in Paris werden übrigens neben der Fossilienfundstätte Messel noch das ehemalige Kloster Lorsch – es zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten des Reichs -, der Obergermanisch-raetische Limes und das Obere Mittelrheintal als kulturelle Schätze von Weltrang geführt.
Neben der Fortsetzung über Jahre bewährter Kulturförderungen - wie etwa für die vier hessischen Kultursommer – konnten jüngst in Hessen auf Initiative des Landes eine Reihe neuer Kulturprojekte verwirklicht werden. Mit der Schauspielbiennale "Neue Stücke aus Europa" am Hessischen Staatstheater Wiesbaden besitzt die Landeshauptstadt ein internationales Theaterfestival von hohem Rang, das im zweijährigen Rhythmus stattfindet. Das „Leseland Hessen“ hat inzwischen hunderte von Buchmessen-Autoren in Lesefestivals hessischer Städte vermittelt. Durch die Initiative Literaturland Hessen wurden zahlreiche historische Orte in Hessen für die Öffentlichkeit erschlossen, die von Bedeutung für das literarische Leben des Bundeslandes sind.
Die Gründung der Forsythe-Ballett-Company konnte eine der wichtigsten internationalen Tanztheater weiterhin an Hessen binden.
Die Zusammenführung von kultureller und wirtschaftlicher Filmförderung wie auch die Einrichtung des FilmFinanzierungsFonds Hessen bietet der Filmbranche im Lande neue interessante Perspektiven. Die Anlehnung des Hessischen Filmpreises an die Frankfurter Buchmesse hat diesem „Event“ einen international beachteten Stellenwert beschert. Insgesamt fördert das Land die Filmbranche in Hessen mit rund acht Millionen Euro (2006). Mit dem Bau des geplanten Filmhauses (2008) in Wiesbaden sollen die Schwerpunkte zum Thema Film weiter gebündelt werden.
Nicht unumstritten ist der Kauf der Sammlungen im Schloss Erbach ( mehr zu dieser Diskussion auf den Webseiten des HR ) gewesen. Diese kulturpolitische Entscheidung der Landesregierung hat für Hessen jedoch ein einzigartiges „Juwel“ der deutschen Museumsgeschichte gerettet. Die vor 200 Jahren zusammengetragenen Bestände drohten ins Ausland verkauft zu werden. Sie bleiben nun der Odenwald-Region als kulturhistorische und touristische Attraktion erhalten.
Wie sehr die Herausforderung der Kulturpolitik in Hessen immer wieder die Emotionen der Bürger berühren, das zeigt auch die aktuelle Diskussion um eine gerechte Finanzierung des großen Kulturangebots im Ballungsraum Rhein-Main gezeigt. Die Frage, wie die von dem Angebot profitierenden Kommunen in angemessener Form an den Kosten beteiligt werden können, ist noch nicht endgültig geklärt. Auf Initiative des Hessischen Ministerpräsidenten ist in einem Mediationsverfahren nach Lösungen gesucht worden. Erste Ergebnisse - eine freiwillige Beteiligung der Ballungsraum-Kommunen an den Kosten und die Einrichtung eines Kulturfonds zur Finanzierung aufwändigerer Vorhaben - stehen vor der Umsetzung.
Bilder: HMWK
Ernst Wegener ist seit 2006 stellvertretender Leiter der Abteilung Kultur und Kunst im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in Deutschland, Frankreich und Spanien, Schwerpunkt Wissenschaftsgeschichte und Frühe Neuzeit. 15 Jahre Redakteur bei Fernsehen und Printmedien (Hochschulseite, Denkmalschutz). Von 2003 bis 2005 Grundsatzreferent im Ministerbüro des Hess. Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.
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