
Wiesbaden | 05.02.10
Peter Handkes gesellschaftskritisches Schauspiel Kaspar feiert am Freitag, den 5. Februar 2010 in der Wartburg des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden Premiere. Die Inszenierung ist eine Kooperation der Hessischen Theaterakademie mit dem Staatstheater und für Regisseur Veit Kassel das Abschlussprojekt seines Regiestudiums.
Peter Handkes Kaspar unterzieht unsere Vorstellungen von Individualität einer scharfen Kritik: Ein Mensch kommt auf die Bühne, halb Clown, halb Kind. Zu Beginn unartikuliert, grotesk. Standardisierte Sprachmuster, Alltagsweisheiten und Moralvorstellungen machen aus ihm ein Individuum, das ordentlich ‚Ich‘ sagen kann und seine Kleidung nie falsch knöpft. Was Kaspar auf der Bühne durchmacht, findet tagtäglich statt: sich Anpassen, den anderen aufs Maul schauen um ihnen danach zu reden, sich gleichzeitig selbst behaupten und selbst verleugnen. Nicht Eigenständigkeit, sondern Leben in vorgegebenen Formen wird von der Gesellschaft belohnt.
Veit Kassels Adaption von Handkes modernem Klassiker gibt dem gesellschaftlichen Anpassungsdruck ein Gesicht. Vier Darsteller – ein Gebärdensprachler, eine Tänzerin, eine Schauspielerin und ein Bulgare – werfen sich hier mit ihrer jeweils eigenen Ausdrucksform auf die Bühne. Abwechselnd Gleichmacher und Gleichgemachter, unterziehen sie sich reihum dem Kaspar-Prozess.
Veit Kassel wurde 1982 in Mülheim an der Ruhr geboren. Nach eigenen Regiearbeiten in der Schulzeit und im Rahmen der Regiewerkstatt des Schauspiels Bochum studiert er seit 2005 Schauspielregie an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt. Am Staatstheater Wiesbaden war er bereits im Juni 2009 beim Thementag ‚Erbgut‘ mit der Stückentwicklung ‚Kon.fusion‘ (in Zusammenarbeit mit dem Autor Björn Deigner) präsent.
Premiere: Freitag, 5. Februar 2010, 20 Uhr, Wartburg
Inszenierung Veit Kassel | Ausstattung Teresa Rinn | Dramaturgie Georg Mellert |
Sounddesign: Bastian Zimmermann
Mit: Angel Krastev, Daniel Kröhnert, Laura Parker, Tina Witthohn
Quelle: Theater
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