Bildende Kunst

Chlodwig Poth im Museum für Komische Kunst

Vor zwanzig Jahren begann der Zeichner und Texter Chlodwig Poth, in der Satirezeitschrift "Titanic" sein Haupt- und Spätwerk "Last Exit Sossenheim" zu veröffentlichen. Das Frankfurter Museum für Komische Kunst zeigt nun ab 10. Februar 2010 ausgewählte Werke des Querdenkers.

04.02.10
Poth-für-die-Welt

Anlass für die aktuelle Ausstellung ist der achtzigste Geburtstag des "Karl Marx aus Sossenheim".
16.000 Einwohner groß, 600 Hektar klein, eigene Autobahnausfahrt. Das ist der Frankfurter Stadtteil Sossenheim. Und eigentlich wäre damit schon das Wichtigste über diesen Ort gesagt – wenn Chlodwig Poth ihm ab 1990 nicht zu bundesweiter Beachtung verholfen hätte. Im Jahr nach dem Kinoerfolg "Last Exit Brooklyn" erschien in der Frankfurter Satirezeitschrift "Titanic" die erste Bildergeschichte aus und über diesen Vorort, und jeden Monat zeichnete der bärtige Satiriker eine weitere; bis zu seinem Tode im Juli 2004. Programmatischer Titel: "Last Exit Sossenheim". Poth hat seinem Wohnort damit ein dort ungeliebtes Denkmal gesetzt – in der maltechnisch leicht irrsinnigen Kombination aus Tuschefeder und Aquarellfarben.

Clodwig-Poth
Im Alten Schulhaus sprüht die Inspiration

"Sossenheim, zwischen zwei Autobahnen und zwei großen Chemiewerken gelegen, ist ein Gebäudehaufen ohne Gesicht, Eigenart und Charme", lobt Poth seinen Wohnort in der Eloge "O du mein Sossenheim" mit aller gebotenen Differenziertheit. "Ganz ohne Charme empfand ich den Flecken ja nicht, als ich in ihm zu zeichnen begann. Ich fand ihn amüsant, manchmal sogar hinreißend, diesen Architekturmischmasch." Dass ausgerechnet Sossenheim die Ehre zuteil wurde, die malerische Kulisse für Poths Betrachtungen zu stellen, war eine schicksalhafte Folge des Pothschen Mietvertrages. Seine Wohnung im renommierten Frankfurter Nordend wurde gekündigt, im Alten Schulhaus zu Sossenheim stand eine Bleibe auf die Schnelle frei. Sofort sprühte die Inspiration: "Die meisten Motive fand ich im Umkreis von höchstens dreihundert Metern von meinem Arbeitstisch." So zeichnete Poth seinen Stadtteil, und wer zum ersten Mal durch Sossenheim fährt oder – wo möglich – geht, erkennt die Fassaden und Straßenkreuzungen sofort wieder. Die Pothschen Geschichten allerdings sind universell gültig, können sich genauso in Berlin wie in Kleinkrotzenburg zugetragen haben. Sossenheim ist eben überall.

Die neue Wechselausstellung „Poth für die Welt“ läuft vom 11. Februar bis 25. April im caricatura museum frankfurt – Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17.

Am Mittwoch, 10. Februar, eröffnet Kulturdezernent Felix Semmelroth im Beisein von Anna Poth ab 18 Uhr die Schau zusammen mit der Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte Evelyn Brockhoff und dem Museumsleiter Achim Frenz. Die Laudatio hält Hans Zippert, die musikalische Umrahmung gestalten Anselm Wild und Frank Wolff. Die Ausstellung ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs bis 21 Uhr.

Weitere Informationen beim Museum



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