Jugendstil

evangelische Kirche in Edertal-Bergheim

Wussten Sie schon...

...dass die kleine evangelische Kirche in Edertal-Bergheim in ihrem Langhaus nicht alleine eine der reizvollsten, erstaunlich umfangreich erhaltenen Ausmalungen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Hessen birgt, sondern auch ein wichtiges Zeugnis für die Bilderwelten und den Gestaltungswillen der nachreformatorischen Zeit im waldeckschen Land ist?

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Der Bau geht auf eine Gründung aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück und fand seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1085, als der Propst des Stiftes Fritzlar die dem Stift gehörenden Güter mit dem Stiftsherren teilte und selbst die Mutterkirche zu Bergheim erhielt. Nach einem Brand im Jahr 1331 wurde der Chor erneuert, ein mächtiger Chorturm mit Spitzhelm und vier Wichhäuschen („Ecktürmchen“) in der Breite des gesamten Langhauses angebaut. In der Barockzeit brach man große Fensteröffnungen ein, um mehr Licht zu gewinnen.

Das kunstgeschichtlich bemerkenswerte romanische Langhaus des 11. Jahrhunderts mit zwei Schiffen zu je vier Jochen blieb jedoch erhalten. Die gurtlosen Kreuzgratgewölbe werden von einem kräftigen Pfeiler im Westen und zwei hohen schlanken Säulen mit einfachen Würfelkapitellen, die nicht von Säule und Schaft abgesetzt sind, getragen. Im 16. Jahrhundert brachte man auf den Gewölbeflächen und teilweise auf den Wandflächen einen sehr sorgfältig geglätteten Kalkmörtelverputz auf, den man sehr bald bemalte. Durch eine Inschrift an der Südwand ist uns das Entstehungsjahr 1573 und der Maler B. Seltzer überliefert.

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Die schlichten Bau- und Gewölbeformen des 11. Jahrhunderts wurden durch eine reichhaltige und sehr differenziert ausgeführte Architekturmalerei in Rottönen bereichert, die den Formen der Renaissance verhaftet ist. An den Wänden finden sich mächtige Pilaster mit Akanthusblattfriesen, die Gewölbegrate wurden mit Blattwerk betont, um an den Scheiteln in gemalten Schlusssteinen zusammen zu treffen. Umgeben und eingebettet in einer zierlichen Rankenmalerei beleben zahlreiche kleine Engel mit Musikinstrumenten die Gewölbe. Die Hauptfiguren bilden jedoch größere Frauengestalten, die durch Attribute und lateinische Inschriften als Allegorien der Tugenden ausgewiesen sind. Auch ein kleines Brustbild Christi und die vier Evangelisten als Engel, Löwe, Adler und Stier sind zu finden. Aufgrund ihrer geringen Größe stehen sie jedoch in der Bedeutung zurück und sind vom normalen Betrachtungspunkt aus im Kirchenschiff nur schwer zu erkennen.

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Diese Zurückhaltung, wie auch die ganze Thematik spiegeln mit ihren Inhalten die veränderte neue Kunstauffassung der nachreformatorischen Zeit. Gleichwohl ist zu erkennen, dass der Maler durchaus noch mit der älteren Ikonographie vertraut war. Bemerkenswert bleibt allemal die Verspieltheit und Reichhaltigkeit dieser Ausmalung für einen nordhessischen und protestantischen Kirchenraum.

Die Entdeckung und Freilegung der Malereien erfolgte im Jahr 1932. Bei der sich anschließenden Restaurierung waren sie mit einem Überzug aus Kalkkasein versehen, die fehlenden Bereiche sind farblich ergänzt worden. Starke Verschmutzungen, sich ablösende Verputz- und Fassungsschichten sowie der verbräunte Überzug von 1932 bildeten den Ausgangspunkt für eine umfassende und sehr sorgfältige Restaurierung. Dabei wurden jedoch die Zutaten der letzten Renovierungen nicht vollständig entfernt, sondern nur so weit reduziert, dass sie konservatorisch nicht mehr schädigend und ästhetisch nicht mehr störend wirkten. Es fanden umfangreiche Sicherungsarbeiten an den gefährdeten Verputz- und Fassungsschichten statt. Aufgrund des weitgehend geschlossenen Erhaltungszustandes waren Retuschearbeiten nur in geringem Umfang notwendig, sie wurden zurückhaltend und sparsam in Strichtechnik ausgeführt.

Quelle: Hessisches Landesamt für Denkmalschutz | Autorin: Christine Kenner



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